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Freitag, 21. August 2009

OB-Kandidaten zu Gast bei der BIZ


KOBLENZ. Auf Einladung der BIZ Bürgerinitiative Zukunft für Koblenz e.V. stellten sich die beiden OB-Kandidaten Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und Peter Labonte in zwei aufeinander folgenden Veranstaltungen den Fragen der interessierten Mitgliedern der BIZ. Ziel dieser Gespräche war es, mögliche Schnittmengen zwischen den Aussagen der Kandidaten und den programmatischen Vorstellungen der BIZ Koblenz e.V. im Hinblick auf eine möglicherweise gemeinsame zukünftige Ratsarbeit herauszuarbeiten.
Dabei fanden beide Gesprächsrunden in einer angenehmen Atmosphäre statt. Sowohl der unabhängige Kandidat mit SPD-Parteibuch Prof. Dr. Hofmann-Göttig als auch der CDU-Kandidat Labonte weisen langjährige Tätigkeit in Verwaltungsbereichen und langjährige Mitgliedschaft in einer Partei auf und sehen sich daher beide als geeignete Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters der Stadt Koblenz.
Bei den einzelnen Themen, die besprochen wurden, stellten sich jedoch einige Unterschiede in den politischen Zielen der beiden Kandidaten heraus.
Kandidat Labonte möchte sich für eine dauerhafte Lösung für die Seilbahn über den Rhein einsetzen. Hofmann-Göttig, der als Kulturstaatssekretär bereits bei der Entscheidung über den Bau der Seilbahn involviert war, würde als Koblenzer OB hier vorsichtiger agieren wollen um den Status des Weltkulturerbe nicht zu gefährden. Letztlich befürworten beide eine nachhaltige Nutzung des Festungsplateaus über die BuGa hinaus.
Gleichsam verneinten beide Kandidaten die Frage, ob man sich vorstellen könne, das Kurfürstliche Schloss in städtisches Eigentum zu überführen, um diesem Bauwerk eine größere kulturelle Bedeutung durch entsprechende Umwidmung der bisherigen Nutzung einzuräumen. Vor allem aufgrund der Haushaltssituation scheint den Kandidaten dies nicht sinnvoll, so dass keiner der Kandidaten aktiv das Gespräch mit dem Bund und dem Land über eine Nutzungsfreigabe des Schlosses suchen würde.
Beim Thema Denkmalschutz äußerte Kandidat Hofmann-Göttig, dass ihm viel am Erhalt der Altstadt in ihrem jetzigen Zustand liege, da er grundsätzlich den Erhalt von Denkmälern befürwortet. Für Labonte ist wichtig, dass sich Denkmalpflege nicht gegen die Interessen der Bürger richtet.
Was die politische Arbeit für die einzelnen Stadtteile betrifft, so sprach sich Kandidat Hofmann-Göttig dafür aus, mit dem Stadtrat eine Prioritätenliste zwingend notwendiger Maßnahmen zu erstellen, die dann von den städtischen Behörden abgearbeitet werden. Labonte betonte erneut sein Vorhaben, den jeweiligen Ortsbeiräten einen kleinen Etat zur Verfügung zu stellen, um unbürokratisch und bürgernah Sachleistungen vor Ort erbringen zu können.
Beim Thema Verkehr/Infrastruktur sehen beide Kandidaten großen Sanierungsbedarf. Für Hofmann-Göttig ist die Horchheimer Brücke „nur ein Symbol für den Handlungsbedarf“ der Stadt. Labonte betonte, dass eine Prioritätenliste für die insgesamt 313 Ingenieurbauwerke dringend erstellt werden müsse.
Auch das für viele Bürger brennende Thema „Verwaltung“ wurde zwischen den Mitgliedern der BIZ und dem jeweiligen Gast besprochen. Kandidat Hofmann-Göttig will die Verwaltung als Dienstleister, nicht als Bevormunder der Bürger positionieren. Labonte sieht vor allem Bedarf bei der Reform der Wirtschaftsförderung und will Möglichkeiten ausloten, die Verwaltungskosten insgesamt, insbesondere bei den Sachkosten zu senken, was angesichts der finanziellen Lage der Stadt dringend notwendig erscheint.
Bei dem Themenkomplex Haushalt wollten die Mitglieder der BIZ wissen, wie die beiden Kandidaten im Fall ihrer Wahl zum OB mit der prekären finanziellen Lage der Stadt umgehen wollen. Kandidat Hofmann-Göttig teilt die Feststellung, dass die Stadt überschuldet ist. Als OB will er sich ein objektives Bild über den Status quo der Haushaltssituation verschaffen und „alles auf den Prüfstand stellen, was viel Geld kostet“. Kandidat Labonte versprach ebenfalls einen Kassensturz und stellte in Aussicht, externen Sachverstand für Haushaltskonsolidierungsgespräche heranzuziehen. Dabei ist für ihn klar, dass nicht alles was wünschenswert wäre, auch zwingend notwendig ist.
Jeweils zum Schluss der beiden Gesprächsrunden wurde das Thema Zentralplatz behandelt. Kandidat Hofmann-Göttig hält die Pro-Argumente für die Investorenpläne (Forum Mittelrhein und Kulturhybrid) für plausibel, bezüglich der Sorgen über die möglichen negativen Folgen für bestehende Unternehmen, Arbeitsplätze und Stadtplanung nimmt er insofern eine andere Haltung ein als die Mitglieder der BIZ. Allerdings erklärte er, dass wenn sich erhebliche Grundlagen ändern, die den bisherigen Entscheidungen zu diesem Projekt zugrunde lagen, das Thema neu betrachtet werden müsse. Labonte teilte eher die Einschätzung über die zu erwartenden negativen Folgen im Falle der Zentralplatzbebauung. Eine „Abmilderung“ dieser zu erwartenden Effekte, soweit möglich, möchte er über städtebauliche Gestaltung erzielen. In diesem Fall würden die Investorenpläne insgesamt jedenfalls realisiert werden können.
Da sich keiner der beiden Kandidaten explizit gegen die Zentralplatzplanung ausgesprochen hat, wird die BIZ keinen der Kandidaten favorisieren. Sollte einer der OB-Kandidaten sich jedoch eindeutig gegen das geplante Forum-Mittelrhein aussprechen („Die letzte Messe ist noch nicht gelesen“), wird die BIZ ihre Haltung überdenken. Bis zur Wahl ist also hier im Sinne eines eindeutigen Bekenntnisses Nachbesserung möglich.
Die BIZ wird die gewonnenen Erkenntnisse jedoch darüber hinaus nutzen, um die jeweils angestrebte Politik der beiden Kandidaten einzuordnen. Zugleich dienen die Informationen als sog. Wahlprüfsteine. „Wenn einer der beiden Kandidaten das Rennen macht und OB wird, werden wir die Taten mit den nun abgegebenen Erklärungen vergleichen. Erst dann wird sich zeigen ob den Worten Taten folgen.“, so Vorsitzender Stephan Wefelscheid. „Das künftige Amt des Oberbürgermeisters gleicht am ehesten dem Aufgabenfeld eines Insolvenzverwalters“, ergänzt Fraktionsvorsitzender Dr. Michael Gross mit Blick auf die Haushaltslage der Stadt Koblenz.
Die BIZ bedankt sich ausdrücklich sowohl bei Herrn Prof. Dr. Hofmann-Göttig als auch bei Herrn Labonte für die geführten Gespräche.
(Pressemitteilung der BIZ)

Dienstag, 21. Juli 2009

Stadtratssitzung vom 16. März 2009 wird juristisch neu aufgerollt

KOBLENZ. Als letzte offizielle Amtshandlung hat die Fraktion Dr. Gross/Henchel noch vor der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Stadtrates Feststellungsklage beim Verwaltungsgericht Koblenz erhoben. Mit dieser Klage begehrt die Fraktion Dr. Gross/Henchel u. A. die gerichtliche Feststellung, dass der Ausschluss der Öffentlichkeit bei der Beratung und Beschlussfassung über den städtebaulichen Vertrag, den Grundstückskaufvertrag und den Miet-Kaufvertrag zum Zentralplatzprojekt "Forum Mittelrhein" in der Stadtratssitzung am 16. März 2009 rechtswidrig war. Bei dieser Feststellungsklage handelt es sich um einen sog. Kommunalverfassungsstreit, bei dem nicht einzelne Ratsmitglieder Klagegegner sind, sonder bei dem ein Teil des Rates, nämlich die Fraktion Dr. Gross/Henchel, vom Gericht die Entscheidungen des gesamten Stadtrates auf ihre Rechtmäßigkeit, nämlich den Einklang mit der Gemeindeordnung von Rheinland-Pfalz, überprüfen lässt.

Demokratische Legitimation, demokratische Kontrolle und demokratische Partizipation lassen sich sinnvollerweise nur unter der Voraussetzung parlamentarischer Öffentlichkeit verwirklichen.

Die Wähler haben ihre Repräsentanten für den Stadtrat in periodisch wiederkehrenden Wahlen zu wählen. Der Wahlakt ist ein Kontrollakt gegenüber der bisherigen Tätigkeit des jeweiligen Stadtrates und zugleich ein Legitimationsakt: Ein Vertrauensbeweis in der Wiederwahl und ein Vertrauensvorschuss in der Neuwahl. Eine derartige Entscheidung setzt aber eine möglichst umfassende Kenntnis der politischen Zusammenhänge und Alternativen voraus und ist sinnvollerweise nur dann möglich, wenn der Wähler über die politischen Ereignisse, insbesondere über das Verhalten der Fraktionen und Stadträte im Stadtrat, ausreichend informiert ist. Die Öffentlichkeit der Stadtratssitzungen ist daher notwendige Voraussetzung für Wahlen auf der Grundlage demokratischer Willensbildung.

Aber auch für die Zeit nach den Wahlen behält die demokratische Funktion des Prinzips der Sitzungsöffentlichkeit des Stadtrates ihre tragende Bedeutung. Sie ermöglicht die permanente Kommunikation zwischen Stadträten und Volk, indem die fiktive Anwesenheit des ganzen Volkes den Stadträten trotz ihrer gewissensmäßigen Unabhängigkeit ständig die Tatsache ihrer Stellung als delegierter Volksvertreter bewusst gemacht und ihr Verantwortungsbewusstsein berührt wird. Dadurch wird unzulässigen Einwirkungen persönlicher Beziehungen, Einflüssen und Interessen auf die Beschlussfassung vorgebeugt und der Anschein vermieden, dass "hinter verschlossenen Türen" unsachgemäße Motive für die getroffene Entscheidung maßgebend gewesen sein könnten. Demokratische Kontrolle kann nur dann funktionieren, wenn die einzelnen politischen Positionen im Rahmen der parlamentarischen Auseinandersetzungen ständig sichtbar gemacht werden, um sie so für die Öffentlichkeit verständlich, nachvollziehbar und damit auch kontrollierbar zu gestalten.

Dass der Ausschluss der Öffentlichkeit fatale Folgen nach sich ziehen kann, hat jüngst auch die Nürburgring-Affäre mit dem Rücktritt von Finanzminister Ingolf Deubel gezeigt. Wäre die Öffentlichkeit über die riskanten Finanzgeschäfte umfänglich informiert worden, hätte Ministerpräsident Kurt Beck vielleicht nicht sagen müssen:" Wir hätten früher die Reißleine ziehen müssen!"

(Pressemitteilung BIZ Koblenz e.V.)

„Das war ein klarer Fehlstart“

Die konstituierende Sitzung eines Stadtrats ist in der Regel eher ein Schaulaufen, ein Begrüßen der neuen Ratsmitglieder, ein gegenseitiges Beschnuppern. Bei der ersten Sitzung des Koblenzer Rats war gleich zu merken, dass einigen so gar nicht gefallen wollte, was sie da gerochen haben. So kam es zu etlichen Auseinandersetzungen, die eher den Eindruck hinterließen, als wäre man einander bereits jetzt überdrüssig. Unrühmlicher Spitzenreiter sicherlich: die Feindseligkeiten zwischen der Bürgerinitiative "Zukunft für Koblenz" auf der einen Seite und mehreren anderen Fraktionen und dem Oberbürgermeister auf der anderen.

Grund war (unter anderem) die Klage des BIZ-Vorgängers, der Fraktion Dr. Gross/Henchel, gegen den Stadtrat wegen der nichtöffentlichen Zentralplatzbeschlüsse in der März-Sitzung. Stadträte verklagen den Stadtrat? Für viele schwer zu verdauen. Unerwartet ist es indes nicht: Gegen die damaligen Beschlüsse hinter verschlossenen Türen hatten die Gegner des Projekts bereits die Aufsichtsbehörde eingeschaltet, jetzt geht es eben vor dem Verwaltungsgericht weiter. Dort will die BIZ feststellen lassen, dass die Beschlüsse rechtswidrig waren. Die Fraktion sieht darin eine legitime Vorgehensweise, sieht sich im Übrigen in ihrer klaren Opposition durch ihr Wahlergebnis bestätigt. Im Einzelfall mag es notwendig sein, auch rechtliche Mittel auszuschöpfen. Es bleibt nur dringend zu hoffen, dass es nicht zum Standardverfahren wird. Die Arbeit in einem demokratischen (Stadt-)Parlament sieht anders aus. Dort geht es um Mehrheitsfindung, um politischen Diskurs in der Sache, um Überzeugungsarbeit, um tragfähige Kompromisse, um gute Lösungen im Sinne der Stadt. Und genau dafür sind die Ratsmitglieder in diesen Stadtrat gewählt worden.

Die Feindseligkeit, die ganz offen und quer über Fraktionsgrenzen hinweg zutage getreten ist, lässt Übles ahnen für einen Rat, in dem es für eine Mehrheit von CDU und SPD reicht, in dem aber selbst die stärkste Fraktion mindestens zwei andere Partner braucht, um eine Idee durchzubringen. Da gilt es mehr denn je, den neuen Rat auch als neuen Anfang zu verstehen. Als die Möglichkeit für neue Allianzen in der Sache. Der Auftakt war nicht sehr vielversprechend. Hoffentlich wird es nach der Sommerpause besser.

(Presseartikel Rhein-Zeitung, Ausgabe Koblenz vom 10. Juli 2009)

Wahlergebnis ist ein Votum für eine grüne Mitte

KOBLENZ. Im Gegensatz zu den Analysten der großen Volksparteien war für die BIZ das positive Abschneiden der so genannten Zentralplatzgegner keines Falls überraschend. Bestätigt sich doch im Wahlergebnis der BIZ, der in den über 20.000 gesammelten Unterschriften manifestierte Bürgerwille für eine grüne Mitte und gegen ein zweites Shoppingcenter am Zentralplatz. Lediglich in den Stellungnahmen der beiden OB-Kandidaten Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig (SPD) und Peter Labonte (CDU) war eine gewisse Würdigung des Wählervotums erkennbar. Deren daraus resultierende Bereitschaft zu Veränderungen der Zentralplatzplanung sind dabei bisher jedoch nur kosmetischer Natur.

Die Beschlussfassung des Koblenzer Stadtrates zum Bebauungsplan Nr. 3 "Zentralplatz und angrenzende Bereiche" wurde aus Sicht der BIZ bewusst aus Angst vor veränderten Mehrheitsverhältnissen drei Tage vor der Kommunalwahl durchgeführt.

Die BIZ sieht sich nicht nur durch ihr eigenes Wahlergebnis, sondern auch durch das gute Abschneiden der Grünen und der FDP darin bestätigt, dass die Bürgerinnen und Bürger eine Korrektur der bestehenden Beschlusslage zum Zentralplatz wünschen. Nämlich Schaffung des "Casino-Park" mit bedarfsgerechter städtebaulich sinnvoller Nutzung der Fläche, die sich am Bürgerwillen orientiert, d.h. begrünte Freifläche, Platzrandbebauung, generationsübergreifendes Wohnen in der Stadt und Marktgeschehen.

Dieser politischen Realität werden sich auch die Volksparteien nicht verschließen können, zumal alle Entscheidungen mit großer finanzieller Langzeitwirkung angesichts der nunmehr gesetzlich verankerten "Schuldenbremse" auf den Prüfstand gehören. Dies gilt in besonderem Maße für die Stadt Koblenz, die nach Auskunft der ADD Trier in allen Planungsjahren gegen die gesetzlichen Haushaltsausgleichsgebote verstößt und eine dauernde Leistungsfähigkeit auf unabsehbare Zeit nicht aufzuweisen vermag.

Für Stephan Wefelscheid, Vorsitzender und neu gewählter Stadtrat der BIZ Koblenz e.V., ist daher klar: "Politische Fehlentscheidungen können und müssen politisch korrigiert werden." Die BIZ hofft, dass die großen Volksparteien das Votum des Wählers respektieren und nicht nur mit der BIZ, sondern auch mit den Grünen und der FDP die Zentralplatzfrage politisch neu angehen werden. "Für Gespräche steht die BIZ den Vertretern von CDU, SPD und FBG jederzeit zur Verfügung" so Alexander Schöne, stellvertretender Vorsitzender der BIZ Koblenz e.V.

(Pressemitteilung BIZ Koblenz e.V.)

Daseinsvorsorge geht den Bach runter


KOBLENZ. "Daseinsvorsorge geht in Koblenz den Bach runter." Nur so ist der Aufschrei der Wohlfahrtsverbände zu deuten. Die Stadt plant Prestigeobjekte, wie den Kulturhybriden auf dem Zentralplatz für mehr als 100 Mio. Euro und gleichzeitig bahnt sich an, dass für die Ärmsten der Armen mitten unter uns das Geld für elementare Hilfe fehlt.
Auch die BuGa 2011 wird die Stadt Millionen zusätzlicher Steuergelder kosten. "Wo sollen da noch die Gelder herkommen für die Schwachen der Gesellschaft – für Schulen, Kindergärten und soziale Einrichtungen? Die Nachhaltigkeit für die nächsten Jahrzehnte ist so nicht gewährleistet. Wie sollen die fehlenden Kita-Plätze geschaffen werden bei dieser Finanzlage?", so BIZ-Kandidatin Monika Hömberger.
Die Politik fordert seit langem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, nur die Stadt Koblenz scheint dies zu ignorieren, der jetzigen Stadtspitze ist ein Prestige-Objekt am Zentralplatz wichtiger als die Chancengleichheit der Frau, wozu die Vereinbarkeit von Familie und Beruf elementar zählt. Eine genügende Anzahl von Kita-Plätzen ist hierzu unumgänglich und bildet die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine moderne Gesellschaftsstruktur.
Die Planungsparameter sind zu Lasten der Zukunft falsch gewichtet. Die Bedürfnisse der Bevölkerung scheinen nur noch von untergeordneter Bedeutung zu sein und der soziale Frieden wird so aufs Spiel gesetzt. "Da wir diese Schieflage sehen, fordert die BIZ in ihren 10 Punkten für Koblenz den Vorrang der Daseinsvorsorge vor politischen Prestigeobjekten" und hat die Stärkung sozialer Vereine und die Aufwertung sozialer Arbeit zu einem wichtigen Punkt ihrer zukünftigen Arbeit im Stadtrat von Koblenz gemacht.
Freitag, 5. Juni 2009

Casinopark: Name soll an Tradition erinnern


Anstelle eines Shopping-Centers will die Bürgerinitiative "Zukunft für Koblenz" (BIZ) einen "Casinopark" auf dem Zentralplatz. Über den Namen wurde zuletzt mehrfach gerätselt.

Die BIZ Koblenz hat sich als Alternative zur Bebauung des Zentralplatzes [...] einen von ihr favorisierten Architektenentwurf zu eigen gemacht, bei dem es sich vor allem um eine Begrünung des Zentralplatzes mit lockerer Randbebauung zur Wohnbelebung der Koblenzer Innenstadt handelt. Die BIZ hat für dieses Projekt den Namen "Casinopark" aus stadthistorischen Gründen gewählt. Es handelt sich also hierbei, wie manche vermuten, nicht um Anspielungen auf Zeiterscheinungen, wie zum Beispiel "Casinokapitalismus". Jeder historisch informierte Koblenzer Bürger wird wissen, dass im Bereich des Zentralplatzes seit 1827 bis zur Kriegszerstörung das Haus der Koblenzer Casinogesellschaft mit Baumbepflanzung und Außengastronomie gestanden hat. Mit dem Namen "Casinopark" möchte die BIZ vor allem an die Tradition dieser liberalen Vereinigung städtischen Bürgertums, die bis heute besteht, erinnern, und an den Ort, an dem schon einmal parkähnliche Anlagen bestanden haben. [...]

Michael Winter, Kandidat der BIZ, Koblenz

(Leserbrief, Rhein-Zeitung, Lokalteil Koblenz, Ausgabe 05.06.2009)
Donnerstag, 28. Mai 2009

Neue Pläne fürs Löhrrondell

Rhein-Zeitung Koblenz | Presseartikel vom 28. Mai 2009 --- Umwelt- und Klimaschutz ---

Radwege werden verbreitert - Zusätzliche Abbiegespur - 19 Bäume fallen - BUND protestiert

Das Löhrrondell soll das neue Portal zur Innenstadt werden, wenn der Schienenhaltepunkt Mitte hinter dem Löhr-Center seinen Betrieb aufnimmt. Die Pläne wurden jetzt noch einmal geändert - vor allem bei der Verkehrsführung und den Radwegen. Einige Bäume werden nach den neuen Plänen fallen - sehr zum Unwillen der Koblenzer Naturschützer.

KOBLENZ. Eine zweite Linksabbiegerspur, verbreiterte Radwege, Hochbeete verschwinden, Platanen müssen weichen: Die Pläne am Löhrrondell in Koblenz haben jetzt noch einmal einige Änderungen erfahren. Und die Neuerungen finden nicht nur Zustimmung. Im Gegenteil: Umweltschützer rufen zum Protest auf.

Worum geht es? Zum einen, berichtet Thomas Knaak, wird es eine zweite Linksabbiegerspur an der Herz-Jesu-Kirche geben - von der Hohenfelder Straße auf den Friedrich-Ebert-Ring. "Man geht von Verkehrsverlagerungen in diesem Bereich aus", betont der Stadtpressesprecher mit Blick auf den Bau des Forums Mittelrhein auf dem Zentralplatz. Im Übrigen wird sich an den Fahrspuren kaum etwas ändern, auch deren Breite bleibt gleich.

Anders verhält es sich aber mit den Radwegen auf beiden Seite der Hohenfelder Straße. "Diese müssen verbreitert werden", betont Knaak. Dadurch rücke man zum Beispiel auf der einen Seite etwa 80 bis 85 Zentimeter näher an die Kirche heran. Weit genug allerdings, dass die Beete auf der Herz-Jesu-Seite und die Hochbeete auf der gegenüberliegenden Seite verschwinden müssen. "Die Hochbeete sind ohnehin in einem schlechten Zustand", berichtet Knaak.

Mit den Beeten, aber auch an anderen Stellen werden auch Bäume verschwinden, wie die Stadt einräumt. Betroffen sind insgesamt 19 Platanen. Gründe: Die Beete werden zum Teil von den Wurzeln gesprengt. Zudem heben die Wurzeln den Belag des Bürgersteigs - neben den Hochbeeten, aber auch hinter den Bushaltestellen gegenüber dem Löhr-Center. Dort, so Knaak, sind die betroffenen Bäume stark Richtung Straße geneigt. Im Übrigen soll es zusätzliche Bushaltestellen geben. Fazit: Nach den Plänen der Stadt müssen 19 Bäume insgesamt weichen.

"Dafür werden aber 19 Stadtlinden und vier Ahornbäume neu gepflanzt", betont der Pressesprecher. Und es handele sich keineswegs um kleine Bäume.
Der BUND Koblenz sieht das völlig anders. "Muss in Koblenz bei jedem Großprojekt zuerst ein Kahlschlag stattfinden, um dann die Innenstadt mit dünnen Stadtlinden wieder kosmetisch herzurichten?", fragt Egbert Bialk. Rund 25 Jahre seien die betroffenen Platanen alt, ergänzt der Koblenzer BUND-Vorsitzende Werner Huffer-Kilian. "Kerngesund und zunehmend wichtig für das Koblenzer Stadtklima."

Huffer-Kilian, zugleich Ratsmitglied der Grünen, bemängelt außerdem, die Stadt unterlaufe die Beschlusslage des Rates, der einen Bebauungsplan beschlossen habe, mit dem ein Platz entstehen soll, der sich am Fußgänger orientiert.

Für die Stadt ist die Kritik nicht nachvollziehbar. Man habe sich wegen jedes Baumes mit dem Fachbeirat für Naturschutz, speziell mit dem Baumausschuss abgestimmt. Dabei habe man Kompromisse angestrebt und auch viele gefunden. Bäume werden zum Teil umgepflanzt. Und eine Gruppe von vier Ahornbäumen zwischen Löhr-Center und Kirche werden doch nicht ersetzt - sie werden erhalten und durch vier neue ergänzt.

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